Gewissenserklärung
für Schenker-Verbündete“
Warum brauchen wir Schenker Gewissenserklärungen anstelle von gewaltsam durchsetzbaren Verträgen und Satzungen?
Wahrheits- oder Seelenkraft“ statt einklagbarer Verträge!
Wir Menschen, die mit anderen nur Geschenke austauschen“ (Schenker) glauben, dass die einzige moralische Quelle von Verbindlichkeit in Wahrheit und Liebe besteht, so dass man sich auf das Gewissen (und Gott) als tragende Autoritäten berufen kann.
Dementsprechend sehen wir durch Gewalt zustande gekommene, durchgesetzte oder geschützte Regeln, Vereinbarungen und Verbindlichkeiten als einen wesentlichen Ausdruck zwischenmenschlicher Ungerechtigkeit an. Somit wird auch deutlich, dass einklagbare (d.h. durch (staatliche) Gewalt garantierte) Verträge für uns grundsätzlich nicht in Frage kommen. Ein genaueres Verständnis unserer Auffassung von spiritueller Gewaltfreiheit“ ergibt sich aus unserer Grundsatztextsammlung.
Es gibt nun Schenker-Verbündete,“ die uns in Form eines Vereins unterstützen wollen. Natürlich wäre es konsequenter und schöner, wenn Verbündete keinen Verein (eine auf den Staat gegründete Rechts“-form) bräuchten, um uns effektiv zu unterstützen. Es wird auch sinnvoll bleiben, Formen ohne und außerhalb des Vereins zu entwickeln (besonders vielleicht für radikalere Unterstützungsformen).
Aber für Menschen, die ihre Lebensgrundlagen im wesentlichen in das Staats- und Geldsystem integriert haben, ist ein solcher Verein als Hilfe für das Engagement sicherlich ein relativer Fortschritt innerhalb des grundsätzlich Verkehrten (Lebensrahmens).“
Wir möchten an dieser Stelle der sehr allgemeinen Beschreibung des Vereinszwecks in der Satzung noch einige Gedanken bezüglich der Inhalte und Aufgaben des Vereins hinzufügen:
Der Verein zur Förderung des Schenkens (VFS) soll das Ziel haben, dass die Menschen, statt einander mit Gewalt und egoistischer Konkurrenz zu bekämpfen, lernen, grundsätzlich umzukehren zu Gewaltfreiheit und (möglichst bedingungslosem) Teilen miteinander. So dass dann – statt Durchsetzung des irgendwie äußlich Stärkeren – sich zeigen kann, wer im vernünftigen und moralischen Sinne Recht hat, und es vielleicht so einmal zu einer insgesamt verantwortlichen Entwicklung in der Welt führen kann... Ein Zurückfinden zur natürlichen Einheit des gesamten Lebens der Welt geschehen könnte...
Konkret bemüht sich der Verein – der eigenen, zum Teil strukturell bedingten Inkonsequenz bewusst – einzelne Menschen und Gemeinschaftsprojekte, die dieses Ideal bereits tatsächlich (bis auf vielleicht vertretbare kleine Ausnahmen und Kompromisse“) zu leben versuchen, als Solidaritätshintergrund auf verschiedenste Weisen zu fördern.
Diese Unterstützungsformen werden vom Verein mit viel Phantasie mit zu entwickeln sein. Dabei ist klar, dass die zu unterstützenden Einzelpersonen und Projekte unabhängig und selbstverantwortlich ihre Projektgestaltung bestimmen, der Verein dies mit angemessener Bescheidenheit respektiert und unterstützt. Bereits vorhandene Projekte dieser Art sind das Haus der Gastfreundschaft“ und andere Lebensexperimente der Schenker.
Der Verein vertritt das gewaltfreie Besitzverständnis, wie es auch von Mahatma Gandhi und seinem Nachfolger Vinoba vertreten wurde: Dass es statt durch Gewalt und Konkurrenz entstandener, willkürlich gehandhabter Besitzansprüche eigentlich nur moralische Nutzungsrechte“ für Menschen in dieser Welt geben kann, die vor allem auf Verantwortung und gewaltfreiem Teilen gegründet sind... (Siehe dazu auch das Flugblatt Gewissenserklärung moralischer Nutzungsrechte.“)
Der VFS ist parteipolitisch, weltanschaulich und konfessionell unabhängig. Statt der vielen Interessenslobbies und Parteiungen“ versucht er, die Menschen zusammenzuführen, die dem Gesamtinteresse bzw. dem Allgemeinwohl der Welt in Liebe selbstlos dienen wollen.
Der Verein arbeitet im Bemühen um einen möglichst allgemein gehaltenen kleinsten nötigen“ Einigungsnenner, welcher geschwisterliche Zusammenarbeit tragen kann, ohne sie an äußerlichen, einzelnen Unterschieden der Meinungen, Lebensformen, Religionen oder Kulturen scheitern zu lassen.
Wir halten es für sinnvoll und nötig, dass für unseren Bezug zu dem Verein und seinen Mitgliedern eine Art von Vereinbarung besteht, die unserem alternativen Rechts- und Verbindlichkeitsverständnis“ entspricht und eben nicht mit irgendeiner Form von Gewalt (auch staatlicher Gewalt) verbunden ist. Deshalb bitten wir die Mitglieder des Vereins, mit uns gemeinsam dieses vorliegende Dokument zu unterzeichnen.
Nochmal anders, in Kurzform gesagt:
- Wir alle sehnen uns zutiefst nach menschlichen Beziehungen, wie wir sie in echten Freundschaften, Liebesbeziehungen und guten Familien bruchstückhaft schon erfahren. Beziehungen der Liebe, in denen die Menschen sich mit einander identifizieren, einander vertrauen und ohne gewaltsame Zwänge oder Kontrollen so miteinander teilen, dass es jedem gleich gut gehen soll. Da erleben wir wahres Schenken, die Bereitschaft, voll Vertrauen auch einseitig zu geben, ohne Angst, dabei ausgenutzt oder gar unterdrückt zu werden.
- Ein gesundes Zusammenleben auf der Basis echter Liebe haben wir erst dann erreicht, wenn wir so, ohne Misstrauen, Gewalt und kaltes Abrechnen“ miteinander, freiwillig zu teilen und zu schenken gelernt haben. (Zumindest bis auf vernachlässigbare Ausnahmen und Schwächen.)
- Solange wir da noch nicht sind, müssen wir wenigsten ehrlich fühlen, sehen und zugeben können, wie sehr wir – trotz aller möglichen kleinen Schritte – noch von der wesentlichen Umkehr“ unseres Lebens entfernt sind.
- Wir Schenker, die wir eine solche grundlegende Umkehr vorleben
wollen, bauen in unserem Verhältnis zu anderen Menschen und in den Vereinbarungen mit ihnen nur noch auf ihre moralische Anständigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Wir verzichten einseitig auf alle Möglichkeiten, Ansprüche von uns irgendwie gewaltsam durchsetzen zu können (auch mittels Verträgen, Satzungen usw.).
Deshalb wünschen wir uns andererseits – als Basis einer neuen, anderen Verbindlichkeit, einer freiwilligen Verbindlichkeit der Wahrheit und Liebe – dass man für Auffassungen, wir wir sie hier und in unserer Grundsatztextsammlung vertreten, Verständnis aufbringen und sie mit uns teilen kann, egal, wie wenig man praktisch davon sonst auch leben mag.
Ort, Datum, Unterschrift

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