Die Schenker

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Tü!Tü!-Text
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Wie ich zum Wesen meines inneren Glücks vorgedrungen bin

von Tü!Tü!

Ich sehnte mich zutiefst danach, ein glücklicher Mensch zu werden!

Tü!Tü! im Friedensgarten

Tü!Tü! im Friedensgarten
 

Bald wurde mir klar, daß meine Sehnsucht nach dauerhaftem Glück die Suche nach etwas Wesentlichem und Beständigem bedeutete, ja es war für mich die Suche nach Wahrheit, nach Gott... Ich schälte wie bei einer Zwiebel Schale für Schale meiner Oberflächlichkeit, Verblendung und falscher Anhaftung ab, bis ich zum Kern meines wahren Wesens vordringen durfte.

Wie konnte diese Entwicklung „von einem in ziemlichem Nebel tapsenden Menschen hin zu einem glücklichen Menschen“ geschehen?

Der erste Schritt dabei ist, sich selbst immer mehr zu verstehen: Das bedeutet einerseits, sich seiner Gefühle, Motive und Gedanken immer mehr bewußt zu werden. Andererseits gehört aber auch dazu, sich seinen freien Entscheidungs- und Handlungsspielraum bewußt zu machen:

Bei uns Menschen sind zwar schon gewisse Bedingungen wie bei einem Kartenspiel vorgegeben, doch sollten wir mit unseren Vorbedingungen so umgehen, als stünden sie „zumindest weitgehend“ in unserem freien Gestaltungsspielraum.

Die Haltung jedenfalls, wenigstens all jene Kräfte und jenes Potential durch unsere Gestaltungsfreiheit in uns freilegen zu können, welche für eine Heilung der Erde notwendig sind, ist sicherlich die einzig wirklich verantwortliche und fruchtbringende Weise, unsere menschliche Freiheit zu betrachten und zur wesentlichen Entfaltung zu bringen.

Ich spüre auch, dass ich über die Gestaltung meines eigenen Denkens, Fühlens und Wollens in besonderer Weise verfügen kann: Ich habe zu meinem Ich einen sehr direkten Zugang, habe solch einen direkten Zugang bzw. direkte Verfügbarkeit aber nicht gegenüber anderen Menschen oder Wesen.

Wenn ich mich also zu einem glücklichen Menschen entwickeln will, stellt sich mir die Frage, wie ich meine Gedanken, Gefühle und Entscheidungen gestalten soll.

Da ich mich dabei nicht als ein von der übrigen Welt getrenntes Wesen betrachten kann, stellt sich mir die Frage gleich auch danach, in welcher Wechselbeziehung mein Selbst zum „Rest der Welt“ steht.

Für mich stellt sich die ganze Welt als eine „lebendige Einheit“, ein großer Organismus dar, worin mensch eine Höchstform von Verflochtenheit sehen kann, dergestalt, daß sie durch ein „inneres Zellprogramm“ gesteuert und miteinander verbunden ist, welches im Einzelnen wie auch im Ganzen dasselbe ist.

Wahres Glück und echte Selbstverwirklichung bedeutet dann, mein Selbst- und Lebenskonzept mit der echten (vor allem eigenen inneren) Selbst- und Wirklichkeitsstruktur in Einklang zu bringen.

Die einzelne Zelle, die gemäß ihrem inneren Zellprogramm lebt, dient dadurch gleichzeitig dem Gesamtorganismus, da dieses Zellprogramm darauf ausgerichtet ist, die Gesundheit des Gesamtorganismus zu gewährleisten.

Genau wie die Zelle im Organismus vernetzt und verwoben ist, sollten wir Menschen uns ebenfalls als einzelne Zellen im Organismus der Welt verbunden fühlen und uns in die Schöpfung so einfügen, daß es zu einem harmonischen Ganzen zusammenwachsen kann.

Auch betrachte ich uns Menschen sozusagen als „kleine Puzzles“ (Mikrokosmen) innerhalb des „großen Puzzles“ (Makrokosmos) des Lebens und der Welt. Als „kleine Puzzles“ betrachtet, können wir Menschen die einzelnen Teile unseres Puzzles immer mehr zu einem harmonischen Bild vervollständigen. Und dann können wir uns als jeweils passendes kleines Puzzle im großen Weltpuzzle an der richtigen Stelle einfügen, so daß sich das Ganze zu einem zwar sehr komplexen, aber doch harmonischen Gesamtbild entwickeln kann.

Gutes Tun und Wirken in dieser Welt hängt also in erster Linie von der richtigen Steuerung bzw. vom richtigen inneren Informationsprogramm ab. Je reiner wir mit unserem inneren Steuerungsprogramm in Einklang leben, umso heilender ist unsere Wirkung auf den Gesamtorganismus. Denn so wie Same und Baum einander bedingen, so besteht die Voraussetzung einer harmonischen Entwicklung in der Welt im Wiederfinden unseres inneren Zellprogramms.

Allerdings ist in uns Menschen kein richtig intakter (Instinkt-) Automatismus (mehr) angelegt, so wie die Katze die Maus fängt, oder der Same eines Apfelbaumes nicht zu einem Birnbaum erwachsen kann.

Wir Menschen müssen deshalb lernen, uns unseres inneren Zellprogramms bewußt zu werden und all unsere verschiedenen Kräfte so zu gestalten oder zu verwandeln, daß wir uns diesem ganz unterordnen. Verselbständigt sich eine Zelle vom übrigen Zellverband in willkürlicher Weise und lebt auf dessen Kosten, gleicht das einem Krebsgeschwür, welches den Gesamtorganismus zu zerstören droht.

Wie komme ich nun zu dieser inneren Instanz, welche ich mit dem Bild des inneren Zellprogramms veranschaulicht habe?

Als erstes schließt dies die Bereitschaft ein, in unvoreingenommener Offenheit die Wirklichkeit zu betrachten und sich von falschen Anhaftungen im Denken und Handeln zu befreien.

Bringen wir unser Leben mit dem so Erkannten zunehmend in Einklang, können wir dadurch immer weiter auf dem Weg hin zur alles tragenden und verbindenden Wahrheit gelangen.

Doch woher nehme ich die Gewißheit, daß ich auf dem richtigen Weg meiner Wahrheitssuche bin?

Der Wegweiser dafür ist stets die innere Freude des „Gewissens“, welches als zugleich „natürliches“ und „bewußt geistig-moralisches Lebensprinzip“ beschrieben werden kann. Die innere Freude des Gewissens ist also meines Ermessens gleichsam als „wirkende Kraft Gottes oder der Wahrheit“ in uns beschreibbar; halten wir daran unbeirrbar fest, können wir ein wahrhaft glückliches Leben führen.

Unser inneres Zellprogramm, das Gewissen, gleicht einem Kompaß und kann stets Wegweiser sein, sofern wir uns diese Quelle wirklich erschlossen haben: Wahres und tiefes inneres Glück oder Unglück, ein gründlich und selbstkritisch geprüftes „singendes Herz“, ist stets unser bestmöglicher Maßstab für Wahrheit oder Falschheit, an den wir uns halten können.

Auf das Gewissen gestütztes Denken kann uns dabei dazu dienen, mit den vielen verschiedenen Aspekten der Wahrheit in ausgewogener Weise zu jonglieren und die inneren Kräfte so zu ordnen, daß wir uns harmonisch in den gesamten Lebenszusammenhang einfügen. Denn das freie Spiel der in uns sprudelnden Gefühle und Motive einerseits und andererseits auch die Folgen unseres Tuns in der Welt sind äußerst komplex; deshalb ist es wohl wichtig, unser Innenleben und das Eingreifen in die Zusammenhänge der Welt auch denkerisch zu reflektieren.

Allein mittels Gefühlen ist das Gewissen hingegen nicht imstande, unsere Innenwelt zu ordnen sowie die Folgen unseres Tuns ausreichend zu durchblicken und zu beurteilen.

Nun habe ich allerdings die Freiheit, meine Gefühle, mein Denken und meine Entscheidungen dafür einzusetzen, um mich glücklich oder unglücklich zu machen bzw. mich für Wahrheit oder Falschheit zu entscheiden.

Dies ist zunächst ein innerer Kampf im Menschen zwischen dem oberflächlichen Augenblicksgenuss einerseits, welcher die Folgen auf den Gesamtorganismus unbedacht läßt, und andererseits dem tiefen menschlichen Glück, welches sich in liebevoller Verbundenheit zu den anderen Menschen und Wesen im selbstlosen Dienst an der Schöpfung entfaltet.

Der Egoismus im Menschen macht ihn zu einer isoliert gesteuerten Zelle im Organismus der Menschheit. Die Liebe hingegen, die sich am Wohl des Ganzen orientiert, läßt uns die Vereinigung mit unserem wahren Selbst und den übrigen Geschöpfen fühlen.

Dieser innere Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen egoistischen Teilinteressen und der Bewußtseinsausrichtung auf das Wohl des Ganzen, kann mit dem Kampf zwischen „zwei Persönlichkeiten“ im Menschen verglichen werden, zwischen „zwei verschiedenen Willen“ oder zwischen dem „höheren und niederen Selbst“.

Unser niederes Selbst sieht uns vom Betrachterstandpunkt einer vom übrigen Organismus unabhängigen Zelle, welche gegenteilige und getrennte Interessen verfolgt und vor allem das eigene oberflächliche Wohlbefinden berücksichtigt. Dies läßt uns selbstsüchtig und materialistisch werden.

Wenn dagegen unser höheres Selbst uns regiert, nehmen wir den Betrachterstandpunkt einer im Organismus der Menschheit harmonisch eingewobenen Zelle ein, welche vor allem das spirituelle Wohlbefinden berücksichtigt und die Wirklichkeit so sehen will, wie sie wirklich ist.

Was bedeutet es nun genauer, sich wie eine gesunde Zelle in den Lebenszusammenhang einzuordnen bzw. ein insgesamt verantwortliches Leben zu führen?

Die Fäden, die ich im großen Geflecht des Lebens spinne, sollten für mich so einfach und überschaubar sein, daß ich die Folgen meines Tuns ausreichend im Überblick habe, um so die eigenen Handlungen überhaupt zum Guten gestalten zu können.

Die eigentlichen Lebensbedürfnisse zu entdecken und die eigenen Bedürfnisse mit dem Wesentlichen in Einklang zu bringen, ist für ein echtes Verantwortungsbewußtsein das Entscheidendste. (Natürlich ist es noch ein großes Experimentierfeld, wie weit mensch in der Lebensvereinfachung gehen kann...)

Grundlegend dabei ist, sich als erstes aus den direkten Verstrickungen der von Menschen geschaffenen undurchschaubaren und komplexen Strukturen zu lösen. Nur so haben wir die Fäden, die wir in unserem Leben ziehen, am ehesten selbst wieder in der Hand, können sie selbst gestalten und vor unserem Inneren spiegeln.

Echte Spiritualität, Wahrhaftigkeit und Verantwortung gehen also einher mit einem ganzheitlichen und bewußten Leben, welches in der Einfachheit und Natürlichkeit wiederzufinden ist.

Wer sich dagegen in zerstörerischen und undurchschaubaren Strukturen befindet, die er selbst nicht ausreichend durchblickt oder meistert, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm sozusagen „das Mark zwischen den Fingern zerrinnt“, er innerlich unausgefüllt und unglücklich wird.

Bei allem berechtigten Bemühen um Überschaubarkeit der eigenen Lebenszusammenhänge wird uns dann die Komplexität des Lebens aber wohl auch die Grenzen unseres Wissens deutlich machen.

Sehen zu lernen, daß unser menschliches Wissen lediglich ein kleiner Tropfen gegenüber dem riesigen Meer an (göttlichem) Lebenswissen ist, wird uns wohl recht demütig werden lassen.

Im daraus folgenden Bemühen, nur behutsam und zurückhaltend in die Lebenskreisläufe einzugreifen, sollten wir an dem festhalten, was das Einfachste, Natürlichste und Ursprünglichste ist, an dem also, was unserem seelisch-geistigen, physischen und intuitiven Zellprogramm entspricht.

Wer sich hingegen anmaßt, willkürlich nach kurzsichtigen aus dem Lebenszusammenhang herausgelösten Interessenskalkülen in die Lebenszusammenhänge einzugreifen, ohne dabei die Lebensgesetze zu berücksichtigen, erliegt der Gefahr, schlimmen Schaden anzurichten.

Im Umgang mit der Natur ist es also ein anzustrebendes Ideal, so wenig wie möglich in die natürlichen Kreisläufe und Gleichgewichte einzugreifen und im Wesentlichen uns mit dem zu begnügen und uns daran zu erfreuen, was die Natur - am besten von selbst - so reichhaltig schenkt.

Wie kann mensch nun weiter auf eine verantwortliche Gestaltung in der Welt hinwirken?

Grundlegend dafür ist wohl, daß die Menschen, die sozusagen das Steuerruder für die weitere Entwicklung in der Hand halten, zu einem echten Verantwortungsbewußtsein heranreifen müssen. Es liegt also in der Gestaltungsfreiheit der Menschen, ob sie das Steuerruder an Bord so lenken, daß das Schiff auf ein Riff zusteuert, oder ob sie das Schiff in den göttlichen Strom münden lassen wollen. Über die gemeinsame Fahrtrichtung ist wohl Einigung unter den Menschen notwendig.

Doch wie gehe ich damit um, wenn die Menschen zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, was die gemeinsame Fahrtrichtung angeht?

Entscheidend dabei ist die Einsicht, daß ich über mein eigenes Fühlen, Wollen und Denken in direkter Erlebbarkeit, Verantwortung und Gestaltung verfügen kann und muss, daß ich aber über andere Menschen, welche diese Fähigkeiten ebenfalls in sich tragen, keine direkte Verfügbarkeit beanspruchen darf.

Mir fehlt zu sehr eine (unvoreingenommene oder klar erkennbare) Überlegenheit bezogen auf die Beantwortung der wichtigsten Grundfragen im Leben wie Sinn, Moral, Gott etc., als daß ich über andere Menschen verfügen und sie bevormunden dürfte. Es ist also nicht nur so, daß jeder selbst in seinem Kopf denkt, die Köpfe sind auch - im Bild gesprochen - so sehr „auf einer Höhe“, daß niemand „mit dem Kopf des anderen“ denken und entscheiden, sprich über ihn bestimmen dürfte.

Wir tragen demnach alle eine Selbststeuerung in uns, welche uns niemand absprechen darf und wir auch niemandem absprechen dürfen. Diese innere Selbststeuerung haben wir - jeder Einzelne - daher voll anzunehmen, ja wir müssen sie uns regelrecht zumuten: Jeder Mensch hat die Rechtfertigbarkeit seines Handelns selbst zu verantworten.

Die Folgen unseres Tuns spiegeln sich sowohl in unserem Innern als auch in der äußeren Welt wider und bestimmen weitgehend das Schicksal des Lebens! Wir tragen dafür die Verantwortung und niemand kann uns die Entscheidung über unser Tun abnehmen!

Wir können auch nicht erwarten, dass uns eine äußere „Autorität“ unser Verhalten vorschreibt! Denn jede äußere Autorität muss erst mal auf ihre moralische Vertrauenswürdigkeit hin geprüft werden, wofür jeder Einzelne deshalb zumindest die wesentlichen Beurteilungsmaßstäbe in sich selbst finden muß!

Äußere Autoritäten dürfen uns demzufolge hinsichtlich der Grundorientierung für´s Leben lediglich mit (jederzeit direkt für uns verstehbaren!) Anstößen dazu helfen, die verschüttete innere Steuerung unseres Gewissens wieder freizulegen, so daß wir wieder lernen, uns dem göttlichen Strom an Lebenswissen anzuschließen, der in jedem von uns verborgen liegt. Darauf hoffe ich! Doch dürfen äußere Autoritäten nie Ersatz der grundlegenden eigenen Selbststeuerungsfähigkeit werden!

Eine so vorgestellte gewaltfreie Kultur selbstbestimmter Menschen „ohne Herrschaft und Bevormundung“ kann nur aus einer Kultur der besinnlichen Stille erwachsen, um so das blinde Befolgen von Dogmen und Gesetzen oder das unüberlegte Sich-treiben-lassen durch eine bewußt reflektierte, tiefe innere Steuerung zu ersetzen.

Wenn wir in unserem Verhalten „zumindest als Ausgangsbasis“ uns lediglich von unseren eigenen Erkenntnissen und Erfahrungen leiten lassen, birgt das natürlich die Möglichkeit in sich, sich zu täuschen, sich zu irren, ja Fehler zu machen. Doch nur dadurch, daß der Mensch dies Experiment wagt, kann er zur Wahrheit gelangen!

Der Wahrheitssuchende wird stets bestrebt sein, so wenig wie möglich Schlechtes zu tun, seine Fehler um des Allgemeinwohls willen wiedergutmachen zu wollen, immer wieder so viel wie möglich
dazuzulernen.

Ein wahrheitssuchender Mensch wird sich von daher nicht mit der „begrenzten Brille“ eines willkürlichen und festgefahrenen Lebenskonzeptes gegenüber der Wirklichkeit durchsetzen wollen, sondern wird darum bemüht sein, sich demütig, offen und vorbehaltlos der Wirklichkeit mit ihren moralischen Lebensgesetzen unterzuordnen. Man kann auch sagen: In der Wurzel ist Gewaltfreiheit ein Lernprinzip: Sensibles Erkennen der Wahrheit - gerade auch in ihren weitläufigen Zusammenhängen! - und Sich-darauf- Einstellen statt Sich unmittelbar Durchboxen!

Da unsere Erkenntnisfähigkeit also zu bruchstückhaft, relativ und unvollkommen ist - und das bei jedem Menschen in vergleichbarer Weise - darf der Mensch seine erkannte Wahrheit niemals anderen aufzwingen.

Gewaltfreiheit unter (mündigen und
zurechnungsfähigen) Menschen ergibt sich deshalb aus dem Respekt vor der freien Selbstbestimmung jedes Einzelnen!

Wir Menschen sind in unserer Erkenntnisfähigkeit so sehr gleichberechtigt, daß es anmaßend wäre, wenn einer sich das Recht herausnehmen würde, jemand anderem Bevormundung und Gewalt anzutun. Da könnte der andere ein solches Recht gleich ebenfalls für sich beanspruchen wollen, und dies könnte leicht einen verheerenden „Rattenschwanz“ willkürlicher Gewaltansprüche nach sich ziehen. Dann würde mensch sich in einem Teufelskreislauf befinden, der es unmöglich macht, sich unter Menschen in friedlicher Weise auf das Verantwortliche zu einigen; vielmehr wird sich jeweils der kurzfristig äußerlich Stärkere durchsetzen.

Und so wie wir eine Mathematikaufgabe nicht zu lösen vermögen, wenn wir uns prügeln, sondern wenn wir die Gesetze der Mathematik befolgen, so werden wir uns über gemeinsame Wege des Friedens nur dann einig
werden, wenn wir uns den Mitteln des Friedens zuwenden. In der Logik der gewaltfreien Selbstbestimmung verbirgt sich deshalb das Streben nach Einigung unter Menschen für ein geschwisterliches Zusammenleben.

Schaffen dies die Menschen nicht, wird sich Chaos und Gewaltherrschaft unter Menschen durchsetzen ... Die Gewaltfreiheit ist also der Weg hin zu einer verantwortlichen Gestaltung der Welt.

Ich darf also - um noch etwas auf konkrete Mittel gewaltfreien Einigungsbemühens zu sprechen zu kommen - die Menschen lediglich über ihre jeweils eigene Einsicht und freie Zustimmung verändern, wenn überhaupt.

(Leider ist das Leid in der Welt so groß, daß es förmlich nach einer friedlichen „Bekehrung“ der Herzen bzw. einer „Umkehr“ der Menschheit schreit).

Deshalb ist es eine wichtige Voraussetzung, mich selbst zu einem glaubwürdigen und überzeugenden Beispiel machen zu wollen. Und wenn andere Menschen sich aus meiner Sicht verkehrt verhalten, dann ist ein weiterer Aspekt gewaltfreien Handelns, mein Gegenüber bewusst vor seine Freiheit zu stellen und ihm sogar die Möglichkeit zu lassen oder gar provokativ zu geben (“andere Wange hinhalten” Mt S.38ff), aus meiner Sicht Schlechtes zu tun.

Indem ich jedenfalls bereit bin, schuldhaftes Verhalten anderer - nicht zuletzt auch um des Allgemeinwohls willen - auf mich zu nehmen oder an ihrer Stelle wieder gut zu machen (wenn sie dazu nicht bereit sind), hoffe ich so auch das Gewissen des anderen zu berühren, auf daß mensch einsichtig wird und sein Verhalten ändert.

Dabei soll die Kraft der Wahrheit die „Mauern“ falschen Tuns zu Fall
bringen. Denn das Leiden dessen, der einen Hieb nicht mit einem Hieb erwidert, kann tatsächlich das Herz des Gegners rühren und ihn entwaffnen.

(Um ein guter Spiegel für mein Gegenüber sein zu können, muss ich mich dabei natürlich stets zu einem „offenen Gefäß für die Wahrheit“ machen. Denn wie will ich das Gewissen des anderen durch mein eigenes Beispiel erreichen, wenn ich nicht ganz innig und gleichsam „durchscheinend“ nach meiner innewohnenden Gewissenhaftigkeit lebe. Dabei trägt mich, dann auch gegenüber „Feinden“, im Hintergrund die Hoffnung einer alles tragenden und verbindenden Wahrheit, die jeder in sich finden kann, der offen und ehrlich danach suchen und leben will...).

Hier noch ein Bild zur Veranschaulichung solch gewaltfreien Verhaltens:

Eine Großfamilie sitzt um einen Essenstisch. Die ersten fangen schon mal damit an, ihren Teller zu füllen. Allerdings nehmen sie sich zuviel, so daß absehbar ist, daß für die letzten nur ganz wenig bzw. gar nichts mehr übrig bleibt. Wenn ich nun an die Reihe komme und die ungerechte Verteilung für mich absehbar ist, dann darf ich nur - mehr oder weniger demonstrativ - so wenig (oder vielleicht auch gar nichts) auf meinen Teller tun, daß für die anderen noch etwas übrig bleibt.

Dieses Beispiel veranschaulicht u.a., wie „im Bilde gesprochen“ eine gesunde Zelle resonanzartig auf die Bedürfnisse des Gesamtorganismus reagiert.

Allerdings wird dabei vielleicht die falsche Vorstellung einer Ausgangssituation des Mangels suggeriert, welche jedoch höchstens durch die Gier des Menschen und seinen Raubbau an der Natur zustande kommt. Eigentlich werden wir von der Natur reich beschenkt, und es ist genug für alle menschlichen Bedürfnisse da, nicht aber für aller Menschen Gier).

Ich denke gleichwohl trotz aller drängenden äußeren Aufgaben, daß wir uns als Erstes nach innen wenden und uns die Frage stellen sollten, wo wirklich unser Platz im Ganzen ist. Dabei will ich so leben, daß es ein Lösungsmodell sein kann, welches an die Wurzel der Probleme greift und so zur Heilung der Erde am ehesten beitragen kann. Es soll also darum gehen, für mich und für andere einen Ausweg aus den heutigen Problemen anzubieten.

Mit diesem hohen Anspruch für die Wahrheit zu leben, führt einen in dieser kalt gewordenen Welt wohl dazu, sich von seiner Todesangst zu befreien, um so stets an dem festhalten zu können, was dem („seelischen“) Leben Sinn gibt, auch wenn es bedeuten kann, sein irdisches, körperliches Einzelleben dafür zu verlieren.

Natürlich setzt dies bei uns Menschen einen hohen inneren Reifungsprozess voraus, wenn wir unsere Einzelperson ganz zum Werkzeug der allumfassenden Lebensgesetze machen und dafür mit unserem ganzen Leben Zeugnis ablegen wollen. Mögen wir uns dahin entwickeln und unsere individuelle Einzelexistenz nicht als das Entscheidende betrachten, sondern unsere Seele, welche durch die Befolgung dieser spirituellen Lebensgesetze lebendig wird.

Nach dieser Beschreibung, wie konsequent bzw. radikal die Gewaltfreiheit gelebt werden müßte, noch ein paar Worte zu eventuellen „Ausnahmen“:

Ausnahmen in der Gewaltfreiheit unter mündigen und zurechnungsfähigen Menschen sehe ich höchstens dann begründet, wenn eine verantwortliche Gesamtentwicklung durch die Einhaltung der Gewaltfreiheit in äußerst eindeutiger Weise nicht mehr möglich wäre.

Und auch wenn es vielleicht prinzipiell begründete Ausnahmen von der Gewaltfreiheit geben kann, mag es in einer gewalttätigen Welt, wie sie um uns herum ist, eine hochachtenswerte Einstellung sein, auf solche Ausnahmen zu verzichten, um als ein umso eindringlicheres Mahnmal die Menschen zur Gewaltfreiheit aufwachen zu lassen. Damit also die Gewaltfreiheit zur heiligen Grundlage der Menschheitsentwicklung werden kann, sollten Ausnahmen unter diesem Gesichtspunkt äußerst kritisch geprüft werden.

Neben der Gewaltfreiheit ist Gerechtigkeit ein zentrales Thema, um verantwortlich zu leben:

Sich in den Lebenszusammenhang so einzufügen, daß es dem Wohl des Ganzen dient und alle Menschen dabei Glück und Zufriedenheit erfahren können, erfordert wohl eine Vorstellung von Gerechtigkeit, die das Teilen nach Bedürfnissen anstrebt.

Da wiederum unsere materiellen und seelisch-geistigen Bedürfnisse sehr stark ineinander verwoben sind und wir diese Bedürfnisse aus ihrer Ganzheit kaum herauslösen können, bedeutet echtes Teilen deshalb, zum geschwisterlichen Teilen des eigenen Lebens mit anderen bereit zu sein.

Viel Sensibilität erfordert es nun, mit den eigenen materiellen und auch gefühlsmäßigen Bedürfnissen zu den Bedürfnissen der übrigen Menschen, Tiere und Pflanzen in einer Weise in Wechselbeziehung zu treten, dass es allen dabei gut gehen kann.

Was nun meine materiellen Bedürfnisse angeht, so will ich jedenfalls nicht mehr haben, als ich zum Leben brauche, während andere weniger haben, als sie brauchen. Auch frage ich mich, welches Maß an Lebensaufwand gerechtfertigt ist, wenn ich die natürlichen Gleichgewichte nicht zerstören will.

So will ich mich beim Ausleben meiner Bedürfnisse stets bemühen, keinem Menschen, und - so weit es geht - keinem anderen Lebewesen zu meinem Vergnügen, meiner Bereicherung oder Bequemlichkeit Schaden zuzufügen.

Wenn so alle Menschen zur freiwilligen Bescheidenheit und natürlichen Einfachheit zurückfinden würden, könnte es wohl tatsächlich allen gut dabei gehen.

Als Maßstab für die eigenen Bedürfnisse sollte auch nicht die erbrachte Leistung angesehen werden, sondern der Gesamtzusammenhang.

Die Vorstellung, daß Bedürfnisse durch das individuelle Verhältnis von Geben und Nehmen gerechtfertigt sind, halte ich für unorganisch und lebensfeindlich. Denn nicht weil oder wieviel gegeben wird, darf genommen werden, sondern nur soviel beziehungsweise wenig darf jeder nehmen, wie es das Ganze zuläßt - auch wenn er viel gibt.

Formal herausgelöste Aufrechnungsmechanismen sind von daher stets sowohl aus dem organischen Lebenszusammenhang des Einzelnen herausgerissen als auch aus dem Gesamtzusammenhang des Allgemeinwohls, da wahre und gerechte Bedürftigkeit und insgesamt sinnvoller Umgang dabei zwangsläufig außer acht gelassen werden.

Sind nicht „Einzelabrechnungen“ auch schlicht eine Undankbarkeit gegenüber dem Leben, welches uns so reichhaltig beschenkt?

Wenn wir hingegen in diesem Bewußtsein, reich beschenkt zu sein, selbst auch mit Freude und Dankbarkeit aus dem Geist des Schenkens leben, wird sicherlich keiner Mangel leiden müssen.

Ein gemeinschaftliches Leben ist für solch ein echtes Teilen der organische Nährboden, da nur daraus in echter Weise ein enger Bezug und Überblick hinsichtlich Bedürfnissen und Fähigkeiten der Menschen erwachsen kann.

Abschließend noch ein paar Gedanken zu meinem Gültigkeitsverständnis und zum „Anspruch“ dieses „Grundsatztextes“ von mir:

Bei dem ,was ich hier an Menschenbild und Idealen beschrieben habe, setze ich die Hoffnung darauf, daß dieses Urprinzip im Innern eines jeden Menschen wiedergefunden werden kann und uns als Gewissenswahrheit miteinander verbindet und einig werden läßt.

Vielleicht könnte die beschriebene Gewissenswahrheit als ein grober, wesentlicher „Bauplan“ oder als „Fundament“ verstanden werden, das zwar notwendig ist, um ein Haus zu bauen, doch keinesfalls das ganze Haus selbst ist. Dieses „Fundament“ soll einen so kurz wie möglich, aber so klar und gefüllt wie nötig gehaltenen „Einigungsnenner“ darstellen, der die Menschen der unterschiedlichsten religiösen und weltanschaulichen Bezüge darüber einig werden läßt, was ein friedvolles Leben mit Mutter Erde und den Mitgeschöpfen sein kann.

Ohne dieses „Fundament“ ist das Haus „auf Sand gebaut“, was bedeuten kann, sich eher über die unwichtigen als über die grundlegendsten Dinge zu einigen.

Um Herrschaftssysteme und Gewaltstrukturen ersetzen zu können, ist es einfach notwendig, in ausreichender Form zu einer innerlich getragenen Überzeugung und Einigung untereinander zu kommen.

Dieses „Fundament“ - wenn seine Beschreibung mir gelungen sein sollte - ist also lediglich ein kleiner Funke einer absoluten Wahrheit. Doch wenn wir uns weiter um spirituelle Erkenntnis bemühen, sollten wir uns auch um die Einhaltung dieser fundamentalen Lebensgesetze bemühen. Daß es dann jedenfalls zu einem friedlichen und harmonischen Zusammenleben unter uns Menschen und mit der Natur kommen kann - davon bin ich überzeugt.

Diese beschriebenen Wertvorstellungen haben nur dann Gültigkeit, wenn sie im Herzen des Menschen Bestätigung finden und uns zutiefst innerlich glücklich machen.

Wir sollten uns jedenfalls stets darum bemühen, im Einklang mit dem Gewissen zu leben und damit in lebendiger Verwurzelung zu stehen. Das bietet die Grundlage eines wirklich friedlichen und gerechten Lebens ohne Herrschaft, Bevormundung, Autoritätshörigkeit und Dogmatismus.

Allerdings bedeutet eine „lebendige innere Verwurzelung“, als Basis für individuelle Selbststeuerung jedes einzelnen Menschen, gerade nicht Beliebigkeit oder Wechselhaftigkeit - wie es oft fehlinterpretiert wird - sondern trägt zum einen das Festhalten an der Wahrheit (in existenzieller Verbindlichkeit!) und zum anderen eine ständige Offenheit für neue Erkenntnisse und spirituelle Erfahrungen in sich.

Ich habe bei all diesen hohen Idealen, die ich hier beschrieb, allerdings nicht den Anspruch, diese ganz ohne Fehler einhalten zu können. Dafür bin ich noch ein viel zu sündhafter Mensch, der um die Einhaltung dieser Ideale mit sich ringt und in der Auseinandersetzung mit diesen Idealen reifen will. Allerdings geht es mir darum, ehrlichen Herzens sagen zu können, daß ich mich redlich darum bemühe, im Wesentlichen danach zu leben.

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